15.02.2025

Der Tag der Villach für immer veränderte

2 Min.

MONAT Chefredakteurin Daniela Hofer ©Anja Koppitsch

Der Schock sitzt tief. Als Mutter ist es gar nicht auszumalen, dass das eigene Kind Opfer reiner Willkür wird und von einer Sekunde auf die andere verstirbt. Mitten am Anfang des Lebens. An einem Tag mitten in den Semesterferien. Am 15. Februar 2025. Das war jener Tag, an dem der 14-jährige Alexander nicht mehr nach Hause kam, weil er mit einem Klappmesser niedergestochen wurde. Der Teenager wurde aus dem
Leben gerissen. Mitten in Kärnten. Mitten in Villach. Was, wenn der 14-Jährige nur ein paar Minuten später jenes Straßenstück benutzt hätte, an dem der 23-jährige Syrer im Namen des IS wahllos mit einem Messer auf Passanten losgegangen ist und den Jungen dabei tödlich und weitere Passanten zum Teil schwer verletzt hat?

Die Frage nach dem Warum bleibt. Sie schmerzt. Sie macht ohnmächtig. Sie macht betroffen. Sie macht Angst.
Als Elternteil von Alexander, als Verwandter, als Freund. Als Mitschüler. Als Nahestehender der schwer verletzten Passanten, die ebenfalls zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren. Wie soll die Ratio eine derart
scheußliche Tat einordnen? Sie ist und bleibt unfassbar. Eine Stadt, ein Land und seine Menschen trauern. Den Schmerz der Familie kann das nicht lindern, den kann man nicht einmal ansatzweise begreifen.

Die Politiker sagen, was sie immer sagen. Den Täter müsse „die ganze Härte des Gesetzes treffen“. Straffällige
Asylwerber müsse man abschieben. Was genau erwarten wir uns von ihnen? Der Attentäter von Villach hatte 2021 in erster Instanz Asyl zugesprochen bekommen und war auch nicht polizeibekannt. Wenn nun „Syrer raus“-Rufe laut werden, bleibt noch ein Gedanke: Jener Mann, der den Attentäter geistesgegenwärtig gestoppt
hat, indem er mit dem Auto auf ihn zufuhr, ist ebenfalls Syrer.

Auf einer ersten Aufnahme nach seiner Festnahme grinst der 23-Jährige in die Kamera. Ein Bild, das erschüttert, das entsetzt. Es geht mitten ins Herz. Kurz nach der erschütternden Tat wurden Pläne für eine Bürgerwehr laut. Hätte sie eine derartige Tat verhindern können? Sollen wir nun alle Kärntner Städte und Plätze abriegeln und überwachen?

Die Frage, die über allem steht: Wie kann es sein, dass ein 23-Jähriger sich derart radikalisieren lässt, dass er glaubt, „im Namen Gottes“ zu handeln, indem er mit einem Klappmesser wahllos auf Menschen einsticht? Es gibt hier keine einfache Antwort auf all die Fragen. Szenen wie die aus Villach kannten wir aus den Abendnachrichten, aus vielen anderen Teilen der Welt. Terror. Das ist lange nur „dort“ passiert. Nun ist er hier. Mitten unter uns. Schock. Angst. Wut. Vor allem aber Trauer. Und Mitgefühl für die Familien der Opfer. All das schwingt nun mit. Mitten ins Herz.

Ihre Chefredakteurin,
Daniela Hofer

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