Alplog Nord gestoppt
Umweltorganisation "Rett ma die Schütt`" stoppt Bau des Logistikzentrums in Villach Federaun.
So sollte das geplante Logistikzentrum in Federraun aussehen ©Stadt Villach
Nach jahrelangem Einsatz zieht die Stadt das Projekt zurück. Das neue Vorhaben mit Datencenter und Gewächshäusern wirft jedoch ebenso viele Fragen auf.
Die Umweltorganisation Rett’ ma die Schütt hat einen entscheidenden Erfolg erzielt: Das geplante Logistikcenter Alplog Nord auf den Federauner Feldern ist gestoppt. Möglich wurde das erst nach jahrelangen Bemühungen und mit großem persönlichem und finanziellem Aufwand der Mitglieder.
Aufgrund der großen Unterstützung durch Spenden aus der Bevölkerung konnten die erheblichen Aufwendungen für Gutachter und Rechtsvertretung aufgebracht werden. Damit bekämpfte die Organisation die bereits erteilten Bescheide für die Stadt und für den Investor DLH und brachte das Verfahren bis vor den Verwaltungsgerichtshof.
„Ohne diese Anstrengungen würden auf den Federauner Feldern inzwischen längst die LKWs rollen”, so die Organisation.
Bürgermeister zieht Projekt zurück
Nun hat der Bürgermeister das Logistikprojekt noch vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes zurückgezogen. Bei der Gemeinderatssitzung am 2. Oktober präsentierte er stattdessen ein neues Vorhaben: ein Datencenter mit Gewächshäusern. Nach Einschätzung von Rett’ ma die Schütt ist dies der Versuch, ein neues Großprojekt mit unabsehbaren Folgen grünzuwaschen.
Weiterhin Einsatz für Naturraum und Bodenschutz
Die anerkannte Umweltorganisation setzt sich entsprechend ihren Statuten dafür ein, Naturräume zu erhalten und wertvolle Böden vor der Versiegelung zu schützen.
Der Obmann Anton Dicketmüller erklärt dazu: „Mit der Natur kann man nicht verhandeln. Die Auswirkungen von Lärm, Licht und Abwärme auf die direkt angrenzenden Natura-2000-Gebiete am Fuße des Dobratsch lassen sich nicht schönreden. Daher setzen wir uns weiterhin mit aller Kraft dafür ein, dass die Federauner Felder in der Schütt erhalten bleiben.” Kärnten liegt bei der versiegelten Fläche pro Kopf mit 426 Quadratmeter nach dem Burgenland und Niederösterreich immer noch an 3. Stelle im negativen Spitzenfeld Österreichs.
Revitalisierung als Alternative
Rett’ ma die Schütt verweist zudem auf eine Verpflichtung auf europäischer Ebene: Österreich drohen hohe Strafzahlungen, wenn die Vorgaben der Revitalisierungsverordnung (EU-Wiederherstellungsverordnung) nicht eingehalten und zu wenige Flächen revitalisiert werden.
Die Bürgerinitiative vertritt die Ansicht, dass die einstige Feuchtwiese mit Auwald besonders gut für die Umwandlung in eine solche Revitalisierungsfläche geeignet ist. Außerdem bleibt damit auch eine wichtige Pufferzone zum ältesten Naturschutzgebiet Kärntens erhalten, und bei Hochwasser der Gail wirken die Federauner Felder als ein natürlicher Rückstauraum, der die nachfolgende Region entlastet.
Rett’ ma die Schütt wird die weitere Entwicklung genau beobachten und alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Naturraum zu schützen.

Hier nochmal der ganze Artikel aus 2024:
Dämpfer für Logistikcenter Alplog Nord
Hartes Urteil: Die Stadt Villach will in Federaun nahe der Südautobahn ein großes Logistikzentrum hochziehen. Die Kärntner Umweltanwaltschaft hält laut vertraulichen Unterlagen wenig davon und wirft der Stadt “Salamitaktik” vor.
Obwohl das Projekt noch nicht auf der Welt ist, hat es die Volljährigkeit bereits überschritten. Erste Prüfungsunterlagen weisen als Datum das Jahr 2006 aus. Schon damals hatte die Entwicklungsagentur Kärnten Pläne zur gewerblichen Nutzung der sogenannten Federauner Felder in der Schublade. Und selbst davor gab es bereits Absichten, die riesigen Grünflächen, die Kärntner vor allem von der Fahrt ins italienische Tarvis kennen, umzuwandeln. Noch in Zeiten des verstorbenen Landeshauptmanns Jörg Haider wollte der Villacher Unternehmer-Pionier Egon Putzi seine “Kärnten-Arena” in Federaun ansiedeln. Von einem Fußball-Stadion und einer Eishalle war vor über 20 Jahren die Rede. Doch trotz (Schilling-)Milliarden-Plänen – die Felder blieben grün. Übten aber offenbar weiterhin eine magische Begehrlichkeit aus, sie zu verbauen.
Womit die Stadt Villach auf den Plan trat. Die immer näher kommende Koralmbahn, der nahe Hafen Triest und eine Gütermobilitäts-Explosion, brachte die Stadt dazu, nördlich der A2, bei der sogenannten Federauner Schütt, Pläne für ein Logistikcenter zu schmieden. Womit das wahlweise sperrig klingende Logistik Center Austria Süd Norderweiterung oder kurz und peppig: Alplog Nord geboren war. Auf einer Gesamtfläche von 46 Hektar sollen rund 20 Hektar für Betriebsansiedlungen klar gemacht werden. Oder – um es mit den damaligen Putzi-Plänen zu sagen: Die Betriebsansiedlungsarena soll nun gut 28 Fussballfelder umfassen.
Motor Koralmbahn. Villach will mit Alplog Nord auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagieren und hofft auf einen Schub durch die Koralmbahn. Villachs Bürgermeister Günter Albel rechnet Hunderte neue Arbeitsplätze. Beschreibt das Projekt als “grünstes Logistikzentrum Österreichs”. Nach Infineon, so die Vorstellung, könnte Alplog einer der größten Jobmotoren der Draustadt werden. Und Villachs Verwaltung war nicht faul: In einem ersten Deal wurden bereits 6,3 Hektar um 5,7 Millionen Euro an die Deutsche Logistik Holding (DLH) optioniert. Dennoch soll laut Albel gut die Hälfte des Areals grün bleiben. Zudem hat die Stadt in Ausgleichsflächen investiert.
Doch Umweltschützer und Anrainer laufen Sturm gegen die Pläne. Und erhalten Unterstützung in Person der Villacher Stadtpartei Verantwortung Erde. Die stellt nach ihrem Aufsehen erregenden Wahlerfolg 2021 nicht nur fünf Gemeinderäte, sondern mit Sascha Jabali Adeh sogar ein Stadtregierungsmitglied. Zuständig für Naturschutz.
Und es ist auch der Naturschutz, von dem die Kritiker des Alplog-Projekts nun Aufwind bekommen. In einem vertraulichen Schreiben der Umweltanwaltschaft des Landes Kärnten, das dem MONAT vorliegt, wird mit dem Projekt hart ins Gericht gegangen. Zwar hat Rudolf Auernig, der Geschäftsstellenleiter der Umweltanwaltschaft, in der Sache nur “eine beratende Funktion”, wie er auf Anfrage sagt, dennoch spricht die Stellungnahme der Anwaltschaft eine klare Sprache.
Das Schreiben datiert von Anfang Februar dieses Jahres, ist also sehr aktuell. Dabei geht es um die Hochwasserfreistellung von Flächen, die für das Alplog-Projekt gebraucht werden. Der Siebenseiter trägt den Titel “Einwendungen von Mitgliedern des Kärntner Naturschutzbeirates”.
“Flächenvernichtung”. Und der Naturschutzbeirat fackelt in dem Bericht nicht lange herum: Er geht davon aus, dass “Flächen (…) im Ausmaß von 15.480 Quadratmetern in Anspruch genommen und vernichtet werden”. Die Stadt Villach argumentiert die Schaffung des Logistikparks jedoch auch damit, dass der ÖBB-Knotenpunkt einen Steinwurf über die A2 entfernt, am Logistikcenter Austria Süd (LCAS) gelegen, nicht ausgelastet sei und man dessen “langsamen Tod” mit dem Alplog aufhalten könne, wie ein Insider berichtet. Im Alplog, das quasi als Verteilzentrum fungieren soll, würden “Wertsteigerungen der Fracht” über die Bühne gehen. Etwa durch Verpackungsdienstleistungen. Zwar hat in Villach Albels SPÖ mit absoluter Mehrheit das Zepter in der Hand, das Alplog-Projekt findet aber auch in anderen Parteien Zuspruch.
“Denkunmöglich rechtsrichtig”. Aber nicht bei der Verantwortung Erde. Und auch nicht beim Naturschutzbeirat. “Aufgrund der Zerstörung von Feuchtlebensräumen im Ausmaß von 1,88 Hektar, die mit der beantragten Hochwasserfreistellung einhergehen, ist die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach dem Kärntner Naturschutzgesetz (…) nur nach Durchführung einer Abwägung der öffentlichen Interessen zulässig”, schreibt der in der Unterlage. Er wirft der Stadt “Salamitaktik” vor, da er davon ausgeht, dass das Alplog-Projekt nicht detailliert genug geplant sei. Was zur Folge habe, “dass eine Interessenabwägung, die auf Basis eines nicht näher definierten Vorhabens ein überwiegendes Interesse an der Durchführung der beantragten Maßnahme zum Ergebnis hat, geradezu denkunmöglich rechtsrichtig zustande gekommen sein kann”.
Das Projekt ist bereits weit fortgeschritten. Mit einer Umwidmung der momentan teilweise noch als Grünland ausgewiesenen Fläche in Industrie- und Gewerbegebiet ist mit Sommer, spätestens Herbst diesen Jahres zu rechnen. Eine Teilfläche ist bereits seit einiger Zeit entsprechend gewidmet. Der Glaube der Stadt Villach an das Projekt muss entsprechend groß sein: Sie wird laut internen Investitionsangaben mindestens zehn Millionen Euro dafür ausgeben. Schätzungen von Projektkritikern gehen weit darüber hinaus und rechnen mit dem Doppelten.
Für das Logistikcenter muss die Schütter Landesstraße verlegt werden. “Die alte Landesstraße wird dafür entsiegelt”, erklärt ein Stadtverantwortlicher. Kritiker befürchten allerdings, dass auf den Projektflächen “Hunderte LKW am Tag” fahren werden, um die “Aufschüttungen” durchzuführen, damit das Gebiet hochwassersicher wird, wie es Anrainerin Alice Willroider in einem Video der Initiative “Rett ma die Schütt” zum Ausdruck bringt.
Umgehung der UVP-Pflicht. Der Naturschutzbeirat wirft der Stadt Villach in Sachen Hochwasserfreistellung eine “unrichtige rechtliche Beurteilung” und “Rechtswidrigkeit des Bescheides” vor. Und: “eine offensichtliche Umgehung der UVP-Pflicht”. Von Anfang an sei “man sich der Frage einer allfälligen Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung bewusst” gewesen, schreibt der Naturschutzbeirat, habe “diese jedoch vor sich hergeschoben und nicht geklärt”. Der Beirat verweist mitunter auf die Vernichtung von Feuchtflächen. Die Projektfläche befindet sich am Rande des Europaschutzgebietes Dobratsch.
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