Die Sponsoren des Christian Scheider
Nach vier Jahren Amtszeit von Christian Scheider ist Klagenfurt eine Dauerbaustelle. Nach und nach werden die Geldgeber der Bürgermeisterpartei bekannt. Uhren-Mogul Alfred Riedl gab 30.000-Euro-Kredit. Scheider dementiert. VON FRANZ MIKLAUTZ
Bürgermeister Chistian Scheider ©APA/GERT EGGENBERGER
Der 29. November ist historisch gesehen kein Tag wie jeder andere. An diesem Tag im Jahr 1951 wird in den USA erstmals eine unterirdische Atombombe gezündet. 1969 veröffentlichen die Rolling Stones ihr Studioalbum „Let It Bleed“ an diesem Tag. Und vor gut 1500 Jahren fegt am 29. November ein Erdbeben 130.000 Menschen weg. Alles ein bisschen blutig und martialisch. Das wird es im übertragenen Sinn auch noch für einen Protagonisten dieser Geschichte.
Am 29. November 2024 läuft im Klagenfurter Rathaus vorerst noch alles gemächlich ab. Es ist Freitag. Spätestens zu Mittag stecken die Gedanken schon im Wochenende. Nur bei einem kleinen Personenkreis nicht. Noch am Vormittag macht ein zaghaftes Gerücht die Runde. Es geht um einen hohen Stadtpolitiker. Er soll „entfernt“ werden, heißt es. Medien werden angerufen, die Telefone laufen heiß, „ich habe einen Tipp für Sie“, lautet der erste Satz. „Heute zu Mittag muss einer abdanken“, der zweite.
Doch die heiße Story entpuppt sich als Ente. Kein Blut, kein Opfer, kein Gemetzel. Das vermeintliche Opfer, der Klagenfurter Vizebürgermeister Alexander Kastner (Team Kärnten Scheider), ist wohlauf und atmet gleichmäßig. Ablöse? Abwahl? „Entfernt“? Nichts davon sei passiert. Zumindest wird Kastner das so behaupten. Er sitze fest im Vize-Sattel und sei weiterhin der Co-Pilot von Bürgermeister Christian Scheider.

Entmachtung. Wie sich keine zwei Wochen später herausstellen wird, ist in Wahrheit Kastners Behauptung unrichtig. Denn an diesem 29. November 2024 um die Mittagszeit trifft sich der Klub des Team Kärnten Klagenfurt, angeführt von Klubobmann und Scheider-Büroleiter Patrick Jonke. Und der hat die Seinen in Stellung gebracht. Für sich. Und gegen Kastner.
An diesem Freitag entmachtet die Mehrheit im Klub Kastner. Und wählt Jonke zum neuen Vizebürgermeister. Kastner darf noch bis Ende April im Sessel bleiben, dann übernimmt Jonke das zweithöchste Amt der Stadt. Doch die Nachricht von Kastners Sturz wird geheim gehalten. Erst am 10. Dezember wird sie publik. Selbst Kastner, als Ex-Oberst des Bundesheeres durch und durch loyal, hält dicht. Bis Jonke dann die Demontage seines Vorgängers per Presseaussendung bekannt gibt.
Damit ist Jonke am Ziel seiner politischen Wünsche. Vorerst. Denn dem karrierebewussten Scheider-Mann, er betreibt nebenbei das Autopflege-Unternehmen Carlovers, werden von Insidern Ambitionen auf noch höhere Positionen nachgesagt.
Köfers Spendierhosen. Als dann noch ans Licht kommt, dass einige in Scheiders Partei mit einem fliegenden Wechsel zur FPÖ sympathisieren sollen, reicht es Landesparteichef Gerhard Köfer (Team Kärnten). Er beendet die Zusammenarbeit mit seiner Klagenfurt-Filiale. Und das könnte noch tiefe Gräben in Scheiders Parteikassa reißen. Denn ohne die Spendierhosen der Landespartei hätten er und Jonke nie so weit hüpfen können. Alleine für den Gemeinderatswahlkampf 2021 soll Köfer an Scheider mindestens 150.000 Euro überwiesen haben. Das berichtet eine damals in den Wahlkampf involvierte Person. Doch damit waren die monetären Begehrlichkeiten der Liste Scheider, wie sie jetzt heißt, noch lange nicht gestillt.
Kastner galt als Köfer-Mann. Die sogenannte „Reißverschluss-Vereinbarung“ zwischen Köfer und Scheider legt fest, dass die zur Verfügung stehenden Mandate abwechselnd durch Scheider- bzw. Köfer-Leute besetzt werden. Im Klartext: Listenplatz eins an Scheider, Listenplatz zwei an einen Köfer-Mann (Kastner; zuvor Alois Dolinar), Listenplatz drei dann wieder an einen Scheider-Vertrauten und so fort.
Anwaltshonorare. Als Köfer seinen Mann Kastner im Februar 2024 auf den Klagenfurter Vize-Stadtthron hievt, weil Dolinar zurückgetreten war, soll er ihm eine Mitgift eingepackt haben: 100.000 Euro für Scheiders Klub. Denn es seien recht hohe Anwaltskosten zu bezahlen gewesen. So erzählen es zumindest Scheiders Gefolgsleute, tief verunsichert, weil Köfer, der auch Spittaler Bürgermeister ist, ihnen die Koffer vor die Tür stellte. Jonke bestätigt, dass vom Klub mitunter auch Rechtskosten getragen würden.

©EXPA/ Michael Gruber
Doch auch diese Geldspritze reichte offenbar nicht. Justament in den Herbst 2024 fiel nämlich eine weitere Zuwendung, wie MONAT-Recherchen ergaben. Und wieder sollen 100.000 Euro nach Klagenfurt geschickt worden sein. Als Unterstützung für die Klubarbeit. Jonke bestätigte in der „Krone“ eine „Einmalzahlung“ Köfers. Inoffiziell könnte das Geld aber für den Vergleich mit Ex-Magistratsdirektor Peter Jost herangezogen worden sein.
Rückblende: Scheider hatte Jost Ende 2023 für zwei Jahre dienstverlängert. Womit Josts Dienstverhältnis bis Ende 2025 dauern hätte sollen, zwei Jahre über dessen gesetzliches Pensionsalter hinaus. Scheider zog die Verlängerung mit dem Notfallparagrafen durch, ohne Einbeziehung der anderen Parteien. Doch die Entscheidung wurde von der Gemeindeaufsicht für nichtig erklärt, wonach Scheider Jost in Pension schickte. Doch der klagte die ausständigen Gehälter und Überstunden ein. Über 700.000 Euro an Kosten für die Stadt standen im Raum. In der Folge akzeptierte Jost einen Vergleich: Er bekam 170.000 Euro auf sein Konto überwiesen. Die tatsächlichen Vergleichskosten machten aber inklusive aller Nebenkosten mehr als 330.000 Euro aus. Doch darüber verlor Scheider in einer Presseaussendung am 4. September des Vorjahres kein Wort. Er führte nur die 170.000 Euro an, die er und seine Gemeinderäte, wie er erklärte, selbst tragen würden. Die gesamten mehr als 330.000 Euro blieben unerwähnt. Möglicherweise, um lästigen Fragen auszuweichen, wie die Liste Scheider die stattliche Summe finanzierte?
Von Köfer vor die Tür gesetzt, schleicht sich bei der Liste Scheider jetzt offenbar eine gewisse Zukunftsangst ein. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Spittaler Geldquelle versiegt ist. Jonke sagt zwar: „Wir sind nicht tot. Es gibt genug andere Möglichkeiten, den nächsten Wahlkampf zu finanzieren. Etwa Kreditinstitute.“ Klappt es dort aber nicht, könnte es noch ein Gemetzel werden.
Weitere Artikel zu diesem Thema
Abo