„Ich arbeite bis zu meinem Ende“: Starkoch Wolfang Punk im Interview

Der Kärntner Wolfang Puck ist Multigastronom und enger Freund der Stars.

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© Barbara Munker/dpa picturedesk.com

Von Ralf Mosser

Sie erhalten in diesem Monat den Wörthersee-Award. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Wolfgang Puck: Es ist für mich ein großes Ereignis. Es freut mich besonders, dass meine Arbeit in der Heimat geschätzt und meine Karriere gewürdigt wird. Demnächst gibt es auch in St. Veit eine kleine Feier, und das Bundeskanzleramt hat mir mitgeteilt, dass ich das Goldene Ehrenkreuz der Republik Österreich erhalten soll. Da ist aber noch kein Termin fixiert.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Wörthersee?

Sehr positive. Dort verbrachte ich die schönste Zeit meiner Jugend. Meine Mutter arbeitete im Sommer in der Küche im Hotel Linde und ich durfte bei ihr sein. Ich durfte beim Erdäpfelschälen helfen und konnte mit meinen Freunden baden und auch mein erstes Geld verdienen, weil ich beim Tennisturnier beim Werzers in Pörtschach als Ballbub engagiert war. Es war einfach eine schöne Zeit.

Freuen Sie sich, wenn Sie in Ihre alte Heimat zurückkommen können?

Natürlich. Es ist immer schön, meine Verwandten und alte Bekannte zu treffen und mit ihnen Zeit zu verbringen.

Obwohl Ihr Vater immer gesagt hat, Sie seien „guat für nix“, haben Sie trotzdem viel Selbstvertrauen und eine tolle Karriere hingelegt. Warum?

Mein Vater und ich hatten ein sehr schlechtes Verhältnis. Ich habe von ihm nie ein gutes Wort gehört. Aber für mich war das auch ein Ansporn. Ich wollte ihm zeigen, dass ich was wert bin, dass ich etwas leisten kann.

War Amerika schon immer der große Traum für Sie?

Eigentlich gar nicht, so weit gingen meine Träume damals nicht. Ich wollte einfach weg von zu Hause. Dass ich nach Amerika gekommen bin, war – ehrlich gesagt – Zufall.

Sie waren als Gastronom sehr erfolgreich. Was macht einen guten Wirt aus?

Passion und Leidenschaft. Man muss für das, was man macht, brennen. Ohne ein gutes Essen zu servieren, geht gar nichts. Aber das allein ist zu wenig, der Gast erwartet Perfektion. Wenn der Zug zehn Minuten Verspätung hat, ist es egal. Wenn die Bestellung zehn Minuten zu spät kommt, ist es eine Katastrophe. Außerdem muss sich der Kunde wohlfühlen. Man muss jedem das Gefühl vermitteln, dass er willkommen und wichtig ist, und beim Rausgehen muss er denken, der Abend war das Geld wert – egal, wie viel er dafür bezahlt hat.

Welchen Preis muss man selbst für diesen Einsatz bezahlen?

Das Familienleben bleibt da natürlich auf der Strecke. Ich war dreimal verheiratet (1975 bis 1980 mit Marie France Trouillot, 1983 bis 2003 mit Barbara Lazaroff und seit 2007 mit Gelila Assefa, Anmerkung der Redaktion) und meine beiden älteren Söhne hatten, als sie klein waren, nicht wirklich viel von ihrem Vater. Seit meiner dritten Hochzeit 2007 versuche ich, mir mehr Zeit für meine Familie zu nehmen. In diesem Punkt habe ich umgedacht.

Sie wurden im Vorjahr 75 Jahre alt. Wie lange wollen Sie noch weiterarbeiten?

Bis 100. Ich weiß nicht, ob ich so alt werde. Sagen wir besser, bis zu meinem Ende. Ich arbeite noch immer gerne, ich fahre noch immer jeden Tag in der Früh auf den Markt, um frischen Fisch, frisches Gemüse und Obst zu kaufen. Jeden Tag 16 Stunden in der Küche stehen kann ich in meinem Alter natürlich nicht mehr.

Gibt es unter den Stars auch komplizierte Gäste?

Bei anderen vielleicht, aber bei mir nicht. Ich weiß ganz genau, was jeder von ihnen will und das bekommt er dann auch. Deshalb sind alle immer zufrieden.

Mit welchen Stars sind Sie befreundet?

Eher mit den älteren. Sidney Poitier, der erste afroamerikanische Oscar-Preisträger, ist der Taufpate von meinen zwei älteren Söhnen. Auch Michael Douglas gehört zu meinen Freunden. Für den haben wir gerade eine Feier ausgerichtet. Genauso Rod Stewart, der in meiner Nachbarschaft wohnt, und natürlich Joan Collins, für die ich die berühmte Pizza mit Lachs und Kaviar erfunden habe. Es kommen auch die jüngeren Celebrities wie Justin Bieber. Den größten Fanandrang gibt es und die meisten Fotografen stehen vor der Tür, wenn die Kardashians im Lokal sind.

Mittlerweile sind Sie selbst ein Star, haben einen Stern am Walk of Fame. Ist es schwierig, berühmt zu sein?

(lacht herzlich) Nein, das ist ganz leicht. Es ist besser, berühmt zu sein als nicht berühmt zu sein.

Wo leben Sie in Los Angeles?

Wir besitzen eine Villa in den Holmby Hills, die liegen in der Nähe von Beverly Hills und Bel Air. Dort leben viele Leute aus der Unterhaltungsbranche.

Waren Sie von den verheerenden Bränden in Los Angeles betroffen?

Nicht direkt, aber indirekt. Bei uns brannte es nicht, aber die Umsätze in den Lokalen gingen sehr stark zurück, die Leute waren geschockt und hatten einfach keine Lust zum Ausgehen. Zum Glück konnten wir den Rückgang mit den anderen Betrieben ausgleichen.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Da gibt es ein Projekt, das ich gerne umsetzen würde. Für 100 Millionen Dollar will ich ein futuristisches Beach-House, das der Form eines Schiffs nachempfunden ist, bauen. Es soll ein architektonisches Schmuckstück werden und zwischen dem Pacific Coast Highway und Malibu direkt am Strand des Pazifiks stehen. Aber das ist Zukunftsmusik. Als Nächstes werden wir wohl Betriebe in Athen, Bogotá und Abu Dhabi eröffnen. Sie sehen, es ist immer etwas los.

Sie besitzen schon ein Lokal am Flughafen in Wien. Werden weitere in Österreich folgen?

Geplant ist im Moment noch nichts. Aber wer weiß? Der Wörthersee und Kitzbühel wären schon Destinationen, die mich interessieren würden.

Wie schaut es mit der Nachfolge aus?

Mein zweitältester Sohn Byron teilt meine Leidenschaft fürs Kochen und wird wohl mein Nachfolger werden. Zuletzt reisten wir zusammen quer durch Europa und besuchten die besten Köche. Unter anderem waren wir auch im Steirereck in Wien. Ich wollte ihm zeigen, was in der Gastronomie der neueste Stand ist. Außerdem hat er in renommierten Restaurants gearbeitet und dort viel gelernt. Er bringt seine Expertise schon jetzt in unseren Lokalen ein. Mein ältester Sohn Cameron interessiert sich nicht für die Gastronomie. Er arbeitet als Arzt und hat mich im Dezember 2022 zum stolzen Großvater gemacht. Die beiden jüngeren Söhne Oliver Wolfgang und Alexander sind noch jünger und haben anderes im Sinn.

Sie arbeiten seit über 30 Jahren mit Ihrem Bruder Klaus zusammen. Wer ist der beste Koch in der Familie?

(lacht) Weder er noch ich. Der beste Koch in der Familie war immer eine Köchin, und zwar meine Schwester Maria.

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