Zu Gast im Studio bei Daniel und Simon Stadler

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Daniel (links) und Simon Stadler im Studio © Helge Bauer

Simon Stadler tourt mit Udo Jürgens-Interpretationen und eigenen Liedern bis nach Berlin. Sein Bruder Daniel schreibt Musik für TV, Kino und Werbung. Im Gespräch mit zwei Ausnahmekünstlern, fotografiert von Helge Bauer.

Das Jahr 2024 war für Simon Stadler äußerst intensiv. Kein Wunder, denn Udo Jürgens hätte seinen 90. Geburtstag gefeiert und sein Todestag jährte sich zum zehnten Mal. Simon Stadler reist mit Udos Liedern durchs Land und darüber hinaus, berührt Herzen und füllt mit seinen Interpretationen immer größere Konzertsäle. Über 70 Mal stand er 2024 auf der Bühne. Der 28-jährige Ausnahmemusiker schreibt aber auch selbst und steht bei Liedermacher-Legende Konstantin Wecker in München unter Vertrag. Er erinnert sich: „2019, nach einem Konzert von ihm, stand er anschließend zwischen den Leuten und ich habe mich vorgestellt. Er meinte, ich sollte ihm etwas von mir schicken – und heute ist er mein Mentor.“ Simon hat mittlerweile einen zweiten Heimathafen in München gefunden.

Simon und Daniel Stadler

Kreativ für Kino und Co.

Sein Bruder Daniel Stadler ist acht Jahre älter und hat während seines Klavierstudiums den Weg zur Komposition gefunden. Heute entsteht Film- und Werbemusik in seinem eindrucksvollen Studio „Frame Records“. Die Produzenten klopfen an – nicht umgekehrt. Obwohl die Brüder beide Musiker sind, leben sie einen völlig unterschiedlichen Alltag. Simon ist meist on the road, Daniel im Studio. Die Kreativität muss bei Daniel auf Abruf bereitstehen. „In meinem Job muss man mit enormen Deadlines umgehen können, vor allem bei Werbung hat man wenige Tage Zeit, um etwas zu finalisieren. Beim Film dauert der Prozess schon ein gutes halbes Jahr. Man muss aber auch auf Feedback und Kritik vorbereitet sein. Man arbeitet in einem großen Team, jeder hat eigene Ideen und es wird selten die erste Version einer Komposition.“ Bald wird seine Arbeit im Kinofilm „Die gestohlene Zeit“ zu hören sein, einem Film von Alexander Baldreich, der Westernelemente mit Science Fiction und Zeitreisen verbindet. „Das Filmteam hat sich einen Western-Sound überlegt, der Film spielt aber im Schnee. Die Herausforderung war also, in Richtung Western zu gehen, ohne dass es nach heißen Temperaturen klingt“, schmunzelt der Komponist. Besonders freut ihn, dass der Film auch für das amerikanische Publikum synchronisiert wird und dort erscheinen soll.

© Helge Bauer

Mit Kärntnern im Team

Mit Namensvetter und Landsmann Gernot Stadler arbeitet der kreative Pianist ebenfalls oft zusammen, erst kürzlich für die Dokumentationsreihe „Die Habsburger in Europa“ (MONAT berichtete). Gäste der Langen Nacht der Museen konnten im letzten Jahr Daniels Soundkompositionen vor dem kärnten.museum erleben, zusammen mit eindrucksvollen visuellen Effekten von Montenero Productions aus Klagenfurt. Ein Highlight im letzten Jahr für den kreativen Jungpapa, der die Liebe zur Musik bereits seinen beiden Söhnen weitergibt.

Im Trio mit Bockelmann.

Das Klavier war für Simon und Daniel das wegweisende Instrument Richtung Musik. „Dass Daniel schon Klavier gespielt hat, als ich ganz klein war, hat mich überhaupt erst dazu gebracht.“ Auch in der Familie Bockelmann, für Udo Jürgens und seinen Bruder Manfred Bockelmann, war das Klavier immer ein zentraler Punkt. „Zu Manfreds 80. Geburtstag hat der ORF eine Dokumentation über ihn herausgebracht mit dem Titel ,Damit etwas bleibt‘ und wir haben die Musik dazu gemacht.“ Das erste gemeinsame Projekt der beiden Brüder. Der Maler Manfred Bockelmann, mittlerweile Mentor und Unterstützer von Simons musikalischem Weg, brachte sich aktiv in die Arbeit ein. „Am Ende haben wir das Klavier allein in den Fokus gesetzt. Ein Klavierton ist an sich etwas Endliches. Aber wir haben einen Klavierton genommen, ihn auf das 20-fache gezogen und daraus eine Endlosschleife gemacht. Dort hört man dann Facetten heraus, die im kurzen Ton nicht hörbar sind. Daraus entstand die Basis für das Hauptthema des Films“, fasst Daniel den Kreativprozess zusammen. Bockelmann selbst stand regelmäßig mit im Studio, um am Prozess teilzuhaben. Zufall oder nicht: Durch den Kontakt mit der Familie entdeckten die Stadlers eine familiäre Verbindung zur Künstlerfamilie. „Unser Urgroßvater ist nach dem Krieg am Schloss Ottmanach von den Bockelmanns aufgenommen worden. Wir sind zwar nicht verwandt, haben aber eine starke familiäre Verbindung!“

Die nächsten Pläne.

2025 ist bereits ähnlich intensiv wie das Vorjahr – von beiden Musikern gibt es Neues zu hören. Simon ist nach einem Jahr Solo-Tour am Klavier nun auf Band-Tournee. „Ich verzichte nicht ganz auf den Solo-Teil, es gibt immer auch mich allein am Klavier mit Udo-Liedern. Er ist einfach Teil von mir! Aber es wird auch mehr eigene Musik geben. Ich habe eigene Songs in der Pipeline. Es gibt mittlerweile wieder tolle junge Musikerinnen und Musiker, die den Liedermacher-Begriff langsam entstauben. Mein Ziel ist es, das Image zu revolutionieren.“ Mit Konstantin Wecker als Mentor und Simons Stimme und Klaviertalent kann das nur gutgehen. Im März erschien der Kinofilm „Die gestohlene Zeit“ mit Daniels Soundtrack-Album. Auch ein zweites Klavier-Album ist in Arbeit. Auf die Frage, welche Art von Auftrag er sich wünschen würde, ist die Antwort ganz klar: „Der heilige Gral der Werbung ist Autowerbung!“

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