Volleyball-Dreamteam: Die Klinger-Schwestern im Interview
Über ihre Liebe zum Sport, ihren Ehrgeiz und ihr Erfolgsgeheimnis.
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Am Beachvolleyball-Platz und im echten Leben: Ronja und Dorina Klinger sind nicht nur als Sport-Duo, sondern auch privat ein absolutes Dreamteam. Die erfolgreichen Klinger-Schwestern im Interview.
Sport liegt Dorina und Ronja Klinger im Blut. Wortwörtlich. Denn ihre Eltern – der Vater war Skifahrer, die Mutter Leichtathletin – haben ihnen die Begeisterung dafür quasi in die Wiege gelegt. Bevor sich die Schwestern für eine Beachvolleyball-Karriere entschieden, haben sie bereits die verschiedensten Sportarten ausprobiert. Heute stehen sie gemeinsam als Team am Court und durften Österreich bei der WM 2025 in Australien vertreten. Zum Sieg reichte es zwar nicht, aber mit einem erfolgreichen 17. Platz sind die Schwestern durchaus zufrieden. Wir haben mit den beiden über ihre Liebe zum Sport, ihren Ehrgeiz und ihr Erfolgsgeheimnis gesprochen.
Die erfolgreichen Schwestern im Interview
Als „The Klingers“ steht ihr regelmäßig erfolgreich am Beachvolleyball-Court und vertretet Österreich sogar international – wie seid ihr zu dem Sport gekommen?
Dorina: Ich bin mit 15 in einer Sportschule in Graz mit Volleyball in Kontakt gekommen. Eine Lehrerin meinte damals: „Du bist groß, du bist sehr athletisch, willst du nicht in einem Verein spielen?“ Verglichen mit anderen Volleyballern oder Beachvolleyballern, die jetzt auf der Worldtour spielen, habe ich eigentlich eher spät damit angefangen und der Leistungsgedanke war deshalb anfangs nicht wirklich da. Mir hat der Sport einfach sofort gut gefallen und ich mochte die Teamstruktur dieser Sportart sehr – jeder unterstützt sich gegenseitig, anders als beim Skifahren zum Beispiel. Ich habe zuerst in der Halle begonnen und nach der Matura mit 18,19 im Sommer dann auch immer mehr Beach. Das hat mir dann noch mehr Spaß gemacht, weil du dort irgendwie alles können musst: Du musst technisch und taktisch einfach so gut sein. Anders als in der Halle, wo du eine fixe Position hast und Spezialistin auf einem Gebiet bist, musst du am Beach alles können. Ronja hat dann gesehen, wie cool ich es finde und wie viel Spaß es mir macht und hat dann auch damit begonnen. 14 warst du, oder?
Ronja: Ja genau. Für mich war das eine ganz spontane Entscheidung. Ich wollte eigentlich auf eine skispezifische Schule, aber ungefähr drei Wochen vor Schulbeginn war für mich klar: „Nein, ich will das doch nicht!“ (lacht) Das war eine verrückte Entscheidung, weil ich eigentlich immer aufs Skifahren gesetzt habe, aber plötzlich war die Leidenschaft nicht mehr stark genug.
Dorina und ich haben im Sommer davor immer wieder im Urlaub am Strand Volleyball gespielt. Dabei habe ich gesehen, wie viel Spaß ihr das macht und dass dieser Teamgedanke etwas ganz Wertvolles ist. Deshalb habe ich mir gedacht: „Ich will das jetzt auch probieren!“
Und wie kam es dazu, ihn später gemeinsam auszuüben?
Ronja: In unserem ersten oder zweiten Jahr haben wir dann auch gleich ein paar Turniere am Beach zusammengespielt, aber das hat überhaupt nicht funktioniert (lacht). Die Dynamik hat einfach nicht gepasst. Das war ein bisschen so dieses „die kleine Schwester will der großen Schwester etwas nachmachen“ (lacht).
Dorina: Ja genau! Ich habe mir gedacht: „Ich bin die große Schwester, ich bin die Chefin und ich lasse mir gar nichts sagen!“ (lacht) Ich war damals 18, Ronja 15 und wir waren beide noch nicht gut genug, wir haben extrem viel gestritten. Also haben wir gesagt: „Wir brauchen jetzt mal Abstand!“ Ich bin dann mit einem Sportstipendium auf ein College in Florida gegangen, um dort zu spielen. Diese Distanz hat uns extrem gutgetan und unsere Beziehung hat sich dadurch stark weiterentwickelt. Ronja war irgendwann nicht mehr die kleine nervige Schwester (lacht), sondern eine echt gute Freundin.
Ronja: Obwohl wir geografisch so weit voneinander entfernt waren, konnten wir besser connecten. Durch diese enge Freundschaft, die in dieser Zeit entstanden ist, hat sich auch der gemeinsame Leistungsgedanken entwickelt. Das war dann der Startschuss dafür, dass wir uns vorstellen konnten, wieder gemeinsam zu spielen und ein Team zu bilden.
Dorina: Ronja hat dann auch noch ein Jahr bei mir in den USA verbracht. Dort wurde uns dann zu 100 Prozent klar, dass wir das zusammen machen wollen. Als wir 2019 gemeinsam zurück nach Österreich sind, haben wir beim Heeressport angefangen.

Was sind eure individuellen Stärken, die ihr ins Team einbringt?
Dorina: Ronja kann ein extremer Sturkopf sein (lacht), das ist etwas Gutes, weil ich weiß, dass sie Sachen zu 100 Prozent macht und auch durchzieht. Das schätze ich an ihr: Ich weiß genau, woran ich bin, was ihr Ziel ist und dass sie alles tun würde, um das zu erreichen. Dieses Durchhaltevermögen, ihre Zielstrebigkeit und ihre extreme Power – egal ob am Court oder außerhalb – sie macht das aus voller Überzeugung. Ich bin zwar auch zielstrebig, aber ich brauche manchmal jemanden, der mich mitreißt und das kann sie richtig gut!
Ronja: Das stimmt, ich bin eher die, die mit voller Power reingeht und ab dem ersten Moment 100 Prozent da ist. Dorina ist vorsichtiger und schaut sich alles zuerst einmal an. Das gibt unserem Team eine richtig starke Balance. Wenn ich zum Beispiel total übermotiviert bin – was manchmal auch ins Negative führen kann – ist Dorina diejenige, die mich wieder runterbringt. Zwei Ronjas am Court würden nicht funktionieren, sie würden sich die Köpfe einhauen – und zwei Dorinas auch nicht, weil dann alles zu vorsichtig wäre und nicht risikoreich genug wäre (beide lachen). Wir gleichen uns einfach perfekt aus. Das ist genau das, was uns stark macht und ein Team braucht, um gut zu funktionieren.
Welche Vorteile hat es, als Schwestern gemeinsam am Court zu stehen?
Ronja: Wir kennen einander natürlich extrem gut und vertrauen uns gegenseitig. Wir sind immer ehrlich miteinander, wenn es einem gut geht aber auch, wenn es einer von uns schlecht geht. Wir geben uns gegenseitig Halt und wissen, egal was passiert, wir werden uns immer gegenseitig haben. Als Schwestern ist es definitiv einfacher, Dinge anzusprechen, die für andere vielleicht unangenehm sind und zu sagen, was man denkt – ganz ohne Filter. Wir diskutieren offen aus, was uns stört und woran wir arbeiten müssen, um gemeinsam daran zu wachsen. Das ist auf jeden Fall ein Riesenvorteil, den man bei uns als Team auch am Platz spürt und sieht.
Was macht ihr, wenn ihr euch mal richtig auf die Nerven geht?
Dorina: Einfach mal kurz räumlich trennen und uns ein bisschen Zeit geben (beide lachen). Wir haben uns vor einigen Jahren das Ziel gesetzt, unser Training als Job zu sehen, in den wir private Dinge nicht mitnehmen. Wenn wir uns also mal streiten, dann nehmen wir das nicht mit auf den Platz. Das hat bis jetzt super funktioniert – und meistens haben wir unseren Streit nach einem Training schon wieder vergessen! Beim Beachvolleyball musst du gut kommunizieren, ständig im Austausch sein, Feedback geben … und plötzlich ist die Stimmung wieder gut, weil du zwei Stunden ganz normal miteinander kommuniziert hast.
Ihr habt euch innerhalb kürzester Zeit enorm weiterentwickelt und seid unter den Weltrangbesten – aktuell gehört ihr zu den Top 15, zeitweise wart ihr sogar auf Platz 2. In Österreich seid ihr auf Platz 1. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Dorina: Ich würde sagen, unser extremes Durchhaltevermögen. Wir waren schon 21 und 18 als wir als Team gestartet haben – das ist im Beachvolleyball sehr spät. Uns ist oft gesagt worden, dass wir es nicht schaffen werden, dass wir nicht genug Talent haben, dass wir zu spät angefangen haben und uns deshalb technisch nur schwer verbessern können. Wir sind teilweise als verrückt abgestempelt worden. Aber genau das hat unseren Ehrgeiz, unsere Resilienz und unsere Beziehung zueinander noch mehr gestärkt. Wir wussten, wir müssen uns gegenseitig supporten, weil es sonst niemand tut. Das ist eigentlich unser Erfolgsgeheimnis! Und wir hatten auch Glück, dass unser Team durch unseren Coach Tiê Santana so aufgewertet wurde, der vor zweieinhalb Jahren zu uns gekommen ist. Er hat unsere ganze Perspektive auf den Sport verändert. Tiê war der allererste Coach, der zu 100 Prozent überzeugt war: „Hey Mädls, ich weiß, ich kann das mit euch schaffen!“ Mit seiner Philosophie, seiner Energie, seiner Kompetenz und seinem Wissen hat er uns so viel Sicherheit gegeben. Das war ein wirklich ausschlaggebender Moment für uns und unsere Karriere.

Und was hat euch in den Momenten der Unsicherheit angetrieben, nicht aufzuhören?
Dorina: Die extreme Leidenschaft für den Sport einerseits und – für mich – zu 100 Prozent auch Ronja. Sie war immer die, die gesagt hat: „Ich sehe die Vision und ich glaube an das, was wir gemeinsam erreichen können!“ Es gab zwar viele, die womöglich talentierter waren oder in einem Ranking schon weiter vorn, aber es hat eigentlich niemanden gegeben, der mit so viel intensivem Training, Herz und Leidenschaft bei der Sache war, wie wir. Das hat uns immer zusammengehalten – auch in Momenten, in denen es hart war.
Ronja: Ich glaube, dass wir oft unterschätzt wurden, war für uns zusätzlich eine Riesenmotivation. So nach dem Motto: „Du glaubst, wir können das nicht schaffen? Ok, we show you how it’s done!“
Wie bereitet ihr euch auf große Wettkämpfe wie die WM in Australien vor?
Dorina: Ein typischer Trainingstag sieht meistens so aus, dass wir aufstehen und gemeinsam frühstücken, dann bereiten wir uns mental aufs erste Training vor und gehen die Punkte durch, auf die wir uns fokussieren wollen. Das Training dauert meistens ca. zwei Stunden, danach fahren wir heim, essen und machen eine Nachbesprechung gemeinsam mit unserem Trainer.
Ronja: Am Nachmittag stehen dann Krafttraining oder Stabilisationsübungen am Programm. Wir nutzen zwischendrin auch verschiedene Regenerations-Devices, wie zum Beispiel spezielle Recovery Boots oder Elektro-Stimulationsgeräte. Am Abend machen wir oft noch Videoanalysen oder Taktikbesprechungen, um uns auf die Turniere vorzubereiten.

Ihr setzt euch öffentlich für die Sichtbarkeit von Frauen im Sport ein, warum ist euch das ein Anliegen?
Dorina: Wir sehen so viele Strukturen, Verbände und vor allem gewisse Teamsportarten, wo Frauen benachteiligt werden. Wir sehen, dass viele Frauen im Sport mehr Aufwand haben, sich mehr einsetzen und das oft sogar professioneller machen als die Männer und trotzdem bekommen sie weniger Aufmerksamkeit. Mit dieser Aufmerksamkeit kommt aber das Finanzielle, die Infrastruktur dahinter und all die Möglichkeiten, um sich weiterzuentwickeln. Deshalb ist es uns wichtig, Frauensport öffentlich zu unterstützen und die Leistungen dahinter sichtbar zu machen.
Und zum Schluss: Was bedeutet Niederösterreich für euch?
Dorina: Wir sind zwar in Kärnten geboren und in der Steiermark aufgewachsen, aber irgendwie sind wir auch Wahl-Niederösterreicherinnen (beide lachen). Als wir aus den USA zurück nach Österreich sind, sind wir zum Badener Beachvolleyball Verein gekommen. Im Olympia-Zentrum in St. Pölten haben wir außerdem unseren Krafttrainer kennengelernt. Er war auch der Erste, den wir später zu uns ins Team geholt haben.
Ronja: Und eine weitere starke Verbindung ist natürlich die HYPO Niederösterreich, die einer unserer ersten Sponsoren war und uns einfach immer unterstützt hat. Sie begleiten uns mittlerweile seit fünf Jahren und haben einfach immer an unsere Vision geglaubt!
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