Frau liegt im Bett und hält sich die Hände vor das Gesicht.

Mehr Selbstfürsorge, mehr Lust

Warum verschwindet die sexuelle Lust, obwohl in der Beziehung alles in Ordnung zu sein scheint?

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„Wir lieben uns, sind ein gutes Team und der Alltag funktioniert gut. Aber Lust auf Sex habe ich trotzdem kaum noch.“ Solche und ähnliche Aussagen höre ich in meiner Praxis häufig. Viele Frauen kommen zu mir, weil ihnen etwas abhandengekommen ist, das früher selbstverständlich war: ihre sexuelle Lust.

Die Schmetterlinge sind verschwunden, der Alltag ist eingekehrt. Es gibt lange To-do-Listen und wenig Romantik. Paar-Zeit ist wichtig, keine Frage. Doch heute möchte ich auf einen anderen Aspekt eingehen: den Kontakt mit sich selbst. Den haben viele meiner Klientinnen verloren – wenn sie ihn überhaupt jemals hatten.

Keine Zeit für sich

Zwischen Beruf, Familienorganisation, Mental Load und den Bedürfnissen anderer bleibt häufig kaum Zeit für die Frage: Was möchte ich eigentlich? Viele Frauen funktionieren hervorragend. Sie kümmern sich, organisieren, gleichen aus, denken voraus. Wer ständig im Außen ist, verliert allerdings leicht den Kontakt zu sich selbst. Lust braucht jedoch genau diese Verbindung. Nicht selten erzählen mir Frauen, dass sie den ganzen Tag damit beschäftigt sind, es allen recht zu machen und abends spüren sie dann auch noch die Erwartung ihres Partners.

Grenzen wahrnehmen

Beginnen Sie, Ihre Grenzen ernst zu nehmen! Wer regelmäßig Ja sagt, obwohl Nein gemeint ist, entfernt sich von sich selbst. Die Freundin braucht Hilfe. Im Job sind Überstunden gefragt. Der Sohn möchte alle Freunde zu seinem Geburtstag einladen. Die Eltern benötigen Unterstützung. Wo bleiben die eigenen Bedürfnisse? Viele Frauen stellen sich selbst an die letzte Stelle, sind erschöpft und energielos. Kein Wunder, dass sie keine Lust haben!

Nein und ja sagen lernen

Ich lade Sie zu einer Challenge ein: Sagen Sie innerhalb der nächsten Woche zu drei Dingen nein, die Sie nur anderen zuliebe tun würden – um einen Konflikt zu vermeiden oder weil Sie sonst ein schlechtes Gewissen hätten. Sagen Sie zu drei Dingen ja, die Sie sich wünschen, aber sich normalerweise nicht zugestehen oder um die Sie nicht bitten würden. Es kommt bei dieser Übung darauf an, mehr auf Ihre innere Stimme zu achten und bewusst etwas anders zu machen.

Der erste Schritt ist, Ihre Grenzen und Ihre Bedürfnisse wieder wahrzunehmen. Der zweite, diese zu artikulieren. Zum Beispiel: „Das ist mir zu viel.“ „Ich brauche heute Abend Zeit für mich.“ „XY belastet mich, lass uns gemeinsam eine Lösung dafür finden.“ Solche Gespräche können sehr ungewohnt sein. Es fällt nicht leicht, zuzugeben, dass man überfordert ist. Doch unausgesprochene Wahrheiten verschwinden nicht, sondern führen zu Frust und dieses Gefühl ist ganz sicher kein Nährboden für lustvolle Gefühle!

Bei sich sein

Wenn Sie gelernt haben, im Alltag mehr in Kontakt mit sich selbst zu sein, können Sie das im nächsten Schritt auch beim Sex versuchen. Denn auch im Bett sind Frauen oft mehr beim Partner als bei sich selbst. Sie fragen sich, ob ihm gefällt, was sie gerade tun, ob er sie noch attraktiv findet, oder ob es ihm zu lange dauert, bis sie feucht wird. Das nennt man den „Big Brother Effekt“. Statt die Aufmerksamkeit auf die eigenen Empfindungen zu richten, beobachtet man sich praktisch selbst. Gerade bei Frauen zeigt sich das häufig in Gedanken über den eigenen Körper, die Wirkung auf den Partner oder die „Leistung“ beim Sex. Das Problem dabei: Man ist im eigenen Körper nicht mehr präsent. Während eine Frau am Bauch gestreichelt wird, sollte sie nicht darüber nachdenken, ob er sie zu dick findet, sondern wahrnehmen, wie sich diese Berührung anfühlt.

Was fühlt sich gut an?

Denn: Je mehr der innere Big Brother mitredet, desto schwieriger werden Lust und Orgasmus. Es geht also darum, weniger beim Partner und mehr bei sich selbst zu sein. Dann nehmen Sie leichter wahr, was Sie angenehm finden, was Sie erregt und was Ihnen eventuell nicht guttut. Auch und gerade in der Sexualität ist es wichtig, Grenzen zu setzen – etwa, wenn eine Berührung oder eine Praktik unangenehm ist. Damit tun sich viele Frauen schwer, weil sie ihren Partner nicht enttäuschen oder vor den Kopf stoßen möchten. Meiner Erfahrung nach sind die meisten Männer jedoch dankbar für Rückmeldungen, weil sie ihrer Partnerin ja Lust bereiten möchten.

Sich selbst mehr wahrzunehmen, gelingt nicht von heute auf morgen, aber es ist ein Weg, den es sich zu gehen lohnt. Wenn Sie Unterstützung dabei brauchen, bin ich gerne für Sie da.

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