Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert zur Änderung des gesellschaftlichen Denkens auf, um gute Hörversorgung möglich zu machen.
Der Welttag des Hörens 2024 steht ganz im Zeichen der Aufklärung und der Überwindung gesellschaftlich tief verwurzelter Fehleinschätzungen von Hörverlust. „Hörverlust wird oft als “unsichtbare Behinderung” bezeichnet, nicht nur, weil es keine sichtbaren Symptome gibt, sondern auch, weil er in der Gesellschaft lange Zeit stigmatisiert und von politischen Entscheidungsträgern ignoriert wurde.” so die Aussagen des WHO Generaldirektors Tedros Adhanom Ghebreyesus. Wenn nicht schon in jüngeren Jahren, eine Schwerhörigkeit durch widrige Umstände eintritt, sieht sich beinahe jede und jeder irgendwann mit dem Thema eines Hörverlustes konfrontiert und die Menschen werden älter. Die weitreichenden Folgen von unbehandelten Hörminderungen werden in der Gesellschaft gravierend unterschätzt, teils aus Verdrängung, teils aus Unwissenheit.
Erste Anzeichen von Hörverlust treten meist ab dem 50igsten Lebensjahr auf. Zu Beginn, wissen Betroffene oft noch nichts davon, oder es wird vorerst verdrängt. Fernsehsendungen können schlechter verfolgt werden, Hintergrundgeräusche werden zunehmend als störend empfunden und Gespräche mit mehreren Beteiligten mutieren zur geistigen Schwerstarbeit. Weiters entstehen oft soziale Konflikte im näheren Umfeld. Der Versuch Betroffene davon zu überzeugen, etwas zu unternehmen führt zu Verharmlosung, Verdrängung oder eisernem Schweigen. Die Angst, als alt, dement oder „begriffsstutzig“ dazustehen überwiegt. So beginnt ein unnötiger „Teufelskreis“. Ein Hörgerät zu wenig zu verwenden, oder sich lange Zeit vor einer Anschaffung zu drücken ist keine hilfreiche Alternative.
Nur Früherkennung und Versorgung verhindert genau diese gefürchteten Folgen! Die Wahrscheinlichkeit für kognitiven Leistungsabfall, aufgrund von Umbauprozessen im Gehirn, wird mit einer Hörversorgung reduziert. Gehirnfunktionen werden geschützt und das Demenzrisiko verringert. Ständiges Nachfragen ist Betroffenen peinlich, es folgt ein sozialer Rückzug. Hörgeräte helfen dabei, wieder akustisch gut zu verstehen und Depressionen zu vermeiden. Zudem wird das Verletzungs- und Sturzrisiko herabgesetzt. Die Teilnahme am Straßenverkehr und die Sicherheit im städtischen Raum wird verbessert. Man fühlt sich persönlich auch wieder sicherer, wenn man auf die Straße geht. Ängste, sowie psychische Belastungen werden reduziert. Stress durch soziale Konflikte, infolge von Fehlinformationen und daraus resultierendem Misstrauen, wird vermieden. Eine Enttabuisierung hilft auch dem sozialen Umfeld bis hin zu den Kleinsten, eine passende und selbstverständlichere Umgangsform mit dem Thema zu entwickeln.
Objektive Beratung für persönliche Information, in bedarfsgerechter Umgebung. Das Schwerhörigenzentrum Kärnten – „Forum besser Hören“, mit dem geförderten Projekt „tab – technische Assistenz und Beratung“, bietet als kostenfreie und vertrauliche Beratungsstelle, individuelle Unterstützung und hilfreiche Informationen zum Ablauf einer guten Hörversorgung an und hilft mit Aufklärungsarbeit ein belastendes und folgenschweres Tabu zu brechen. Für Angehörige und Interessierte, besteht die Möglichkeit, über den richtigen Umgang mit Betroffenen, mehr zu erfahren. Lautes „Brüllen“ ist nicht immer hilfreich für Betroffene, zudem sind zusätzliche Sicherheitssysteme mit Lichtsignalanlagen und Vibrationsimpulsen ein wichtiges Thema. Das Projekt, welches aus Mitteln des Sozialreferates des Landes Kärnten, vom Sozialministeriumservice – Landesstelle Kärnten und der österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) finanziert wird, bietet monatliche Sprechtage in jedem Bezirk Kärntens an. Dies soll gewährleisten, dass die Bevölkerung im ländlichen Raum ebenso gut unterstützt wird.
Terminvereinbarung
Forum besser HÖREN -Schwerhörigenzentrum Kärnten ZVR 408278078
tab – Technische Assistenz und Beratung für Schwerhörige
Gasometergasse 4A / Eingang Platzgasse / 9020 Klagenfurt
Tel.: 0463 310380; mail: office@besserhoeren.org
homepage: www.besserhoeren.org , www.oesb-dachverband.a
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