Patchwork-Familie läuft in einer Wiese bei Sonnenuntergang

Patchwork-Familien: 5 Dinge, die wirklich helfen

So gelingt Patchwork!

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Eine Mama von 13 (Bonus-)Kindern und eine Beziehungsexpertin verraten, was Patchwork-Familien wirklich stärkt.

Neue Liebe, Kinder aus früheren Beziehungen, unterschiedliche Erziehungsstile und manchmal auch verletzte Gefühle: Das Leben in einer Patchworkfamilie kann bereichernd, aber auch sehr herausfordernd sein. Wie schafft man es, dass aus vielen einzelnen Geschichten ein gemeinsames Wir entsteht?

„Viele Erwachsene wünschen sich, dass möglichst schnell ein harmonisches Familiengefühl entsteht. Doch Harmonie ist kein Zustand, den man einmal herstellt und dann hat“, sagt die psychologische Beraterin und Paarberaterin Beate Janota. Vielmehr sei Familie ein laufender Prozess, der Zeit, Geduld und Aufmerksamkeit brauche.

Wie das gelingen kann, zeigt auch die Geschichte von Verena Broschek-Fellner. Die Wienerin lebt seit mehr als 16 Jahren in einer Patchworkkonstellation. Gemeinsam mit ihrem Mann Markus verbindet sie heute ein außergewöhnlich großes Familiensystem mit insgesamt 13 Kindern. „Wir sind Menschen, die zusammengefunden haben und alles, was wir tun, in Liebe tun“, sagt sie.

1. Die Beziehung zum anderen Elternteil respektieren

Einer der häufigsten Konflikte in Patchworkfamilien sind Loyalitätskonflikte. Kinder lieben beide Elternteile – unabhängig davon, wie die Trennung verlaufen ist. Genau deshalb sei es entscheidend, diese Beziehung zu respektieren, betont Janota.

„Kinder dürfen niemals zum Spielball des eigenen Grolls auf den Ex-Partner werden“, sagt die Expertin.

Dass dieser Rat in der Praxis entscheidend sein kann, hat Verena Broschek-Fellner selbst erlebt: „Loyalitätskonflikte gab es ununterbrochen und massenweise. Respekt vor dem anderen Elternteil aus Liebe zu den Kindern ist essenziell. Das entspannt und macht vieles leichter.“

2. Erwartungen loslassen und den eigenen Weg finden

Die Vorstellung von der perfekten Patchworkfamilie sorgt oft für unnötigen Druck. Janota rät deshalb dazu, sich von romantisierten Bildern zu verabschieden.

Jede Familie funktioniert anders und braucht ihr eigenes Tempo. Bei Broschek-Fellner gab es nie den Anspruch, eine klassische Familie abzubilden. Sie und ihr Mann wohnen bis heute in zwei Häusern, nur wenige Meter voneinander entfernt. „Jedes Kind hatte bereits seinen Platz. Wir wollten ihnen diesen nicht nehmen“, erzählt sie.

3. Reden, bevor sich Probleme festsetzen

Eine Sache, die Broschek-Fellner heute anders machen würde? Konflikte geradeaus ansprechen! „Wenn etwas nicht passt, sollte man es sofort sagen. Nichts unterschwellig liegen lassen und hoffen, dass es sich von alleine erledigt.“

Genau das bestätigt auch Janota. Kommunikation sei keine einmalige Aufgabe, sondern ein dauernder Prozess. Gefühle wie Eifersucht, Enttäuschung oder das Gefühl, zu kurz zu kommen, sollten weder verdrängt noch kleingeredet werden.

Offene Gespräche schaffen Vertrauen und verhindern, dass sich kleine Konflikte über Monate aufstauen.

4. Klare Rollen schaffen Sicherheit

Wer entscheidet über Regeln? Wer übernimmt welche Verantwortung? Gerade in Patchworkfamilien sorgen ungeklärte Zuständigkeiten häufig für Spannungen.

Janota empfiehlt, die Erziehung vor allem zu Beginn beim leiblichen Elternteil zu belassen. Bonuseltern sollten sich ihre Rolle Schritt für Schritt erarbeiten.

Klare Zuständigkeiten haben sich auch im Familienalltag der Wienerin bewährt. „Ich bin nicht die Mutter meiner Bonuskinder. Daher entscheidet mein Mann bei seinen Kindern und ich bei meinen. Diese Klarheit ist sehr hilfreich.“

Bonusmamas und Bonuspapas müssten keine Ersatzeltern sein. Oft seien sie vielmehr wichtige Bezugspersonen, Vertrauenspersonen und Begleiter:innen.

5. Die Paarbeziehung nicht vergessen

Zwischen Schulalltag, Organisation und Familienleben bleibt die Partnerschaft oft auf der Strecke. Für Janota ist das einer der größten Fehler. Denn: „Die Paarbeziehung ist das Fundament, auf dem alles andere steht.“

Trotz des großen Familiensystems haben Verena Broschek-Fellner und ihr Mann ihre Beziehung nie aus den Augen verloren. Sie telefonieren täglich, verbringen bewusst Zeit zu zweit und schaffen sich immer wieder Räume als Paar.

Denn eine stabile Partnerschaft gibt nicht nur den Erwachsenen Halt, sondern auch den Kindern Sicherheit.

Patchworkfamilien bringen also ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich. Sie verlangen Geduld, Klarheit und die Bereitschaft, immer wieder miteinander ins Gespräch zu gehen. Gleichzeitig können sie Kindern etwas Wertvolles zeigen: Dass Familie wachsen darf. Dass Beziehungen unterschiedliche Formen haben können. Und dass Verbundenheit nicht davon abhängt, wer mit wem verwandt ist, sondern davon, wie Menschen miteinander umgehen.

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