Warum Potenzmittel ohne Verschreibung gefährlich sein können

Warum Potenzmittel ohne Verschreibung gefährlich sein können

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©Foto von Volodymyr Hryshchenko auf Unsplash

Wer an gefährliche Potenzmittel denkt, erinnert sich vielleicht an Geschichten über die „Spanische Fliege“, eine Substanz, die man früher aus Ölkäfern gewonnen hat. Sie soll bei Männern und Frauen zu mehr sexueller Erregung geführt haben. Sie enthielt aber auch das Gift Cantharidin, das ihre Anwendung gefährlich machen konnte.

Inzwischen gibt es über hundert Hersteller, die industriell hergestellte Produkte mit den Wirkstoffen der „Spanischen Fliege“ vertreiben. In der Pharmazie gelten sie als obsolet und gefährlich. Die Wirkungen anderer natürlicher Produkte sind teilweise belegt, etwa bei Ginseng und Maca-Pulver.

Alle diese Mittel wurden aber zu Randerscheinungen, als im Jahr 1998 die blaue Pille Viagra mit dem Wirkstoff Sildenafil auf den Markt kam. Wenig später folgten andere Medikamente aus derselben Wirkstoffgruppe der PDE-5-Hemmer, von denen Cialis mit dem Wirkstoff Tadalafil das bekannteste sein dürfte. Sie alle sind rezeptpflichtig, obwohl sie als sehr sicher gelten.

Jedoch: Tadalafil ohne Rezept kann man in Deutschland derzeit noch nicht kaufen. Auch in Österreich ist mit einer Befreiung von der Rezeptpflicht nicht zu rechnen – und dafür gibt es einige gute Gründe.

Kleine blaue Pille, riskantes Geschäft?

In Großbritannien gibt es Viagra seit dem Jahr 2017 ohne Rezept. Die blaue Pille wurde damit zugänglicher, was dazu führte, dass manche Männer begannen, sie als eine Art Freizeitdroge zu nehmen.

Eine Studie in der Fachzeitschrift Archives of Sexual Behavior kam zu dem Ergebnis, dass der eigenmächtige Konsum von Medikamenten gegen erektile Dysfunktion mit einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Infektionen und höheren Raten von illegalem Drogenkonsum verbunden ist.

Die Nebenwirkungen des Viagra-Wirkstoffs Sildenafil können auch mit einem Rezept intensiv sein. Kopfschmerzen, Magenverstimmung, blau getöntes Sehen, Hitzewallungen, Durchfall, Schlafstörungen oder Schwindel gehören in einigen Fällen dazu. Diese Nebenwirkungen und andere Risiken für die Gesundheit können ohne ärztliche Überwachung gefährlich werden. Bei Männern mit einer Herzkrankheit kann Sildenafil den Zustand verschlechtern.

Vorsicht ist auch dabei geboten, Sildenafil und andere PDE-5-Hemmer mit Alkohol oder anderen Medikamenten zu mischen. Wenn jemand zum Beispiel Sildenafil nach einer durchzechten Nacht einnimmt, kann es zu Migräne und vermehrter Gesichtsrötung kommen. Da Alkohol den Blutfluss zum Penis verringert, wird die Wirksamkeit des Medikaments dadurch eingeschränkt.

Können Viagra und Cialis eine erektile Dysfunktion verursachen?

Ein Artikel in der Zeitschrift Frontiers in Medicine zeigte, dass Männer, die moderne Medikamente gegen erektile Dysfunktion wie ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, von einer geringeren sexuellen Befriedigung als Nicht-Konsumenten berichten. Je häufiger Männer diese Medikamente einnahmen, desto weniger Vertrauen hatten sie in ihre sexuellen Fähigkeiten. Der beiläufige Konsum dieser Medikamente kann eine „psychogene erektile Dysfunktion“ verursachen. Bei der psychogenen erektilen Dysfunktion verhindern psychologische Probleme, eine Erektion aufrechtzuerhalten oder zu bekommen. Die Ursache liegt also in der Psyche.

Einnahme von Potenzmitteln mit Drogen wie Kokain

Das Mischen von Potenzmitteln mit harten Drogen ist immer gefährlich. Beispielsweise verengt Kokain die Blutgefäße und Sildenafil bewirkt das Gegenteil.

Man sollte Viagra aber auch nicht mit anderen Medikamenten mischen. Schon bei der Einnahme von Viagra alleine kommen unangenehme Nebenwirkungen wie Sehstörungen und Schwindel manchmal vor. Aber wenn jemand Viagra mit Kokain einnimmt, besteht das Risiko von Priapismus (schmerzhafte Dauererektion, die länger als vier Stunden anhält), Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Abgelaufene, gefälschte und kontaminierte Pillen

Ein weiteres Problem ist, wie die Anwender das Medikament erhalten. Wenn man kein Rezept hat, kann nicht nur die Anwendung, sondern das Medikament selbst problematisch sein.

Medikamente von einem Freund oder aus dubiosen Quellen zu nehmen, bringt ein hohes Risiko mit sich, dass die Pillen abgelaufen, gefälscht oder kontaminiert sein können. Auch Online-Apotheken aus dem Ausland halten einer Überprüfung nicht immer stand. Manchmal verkaufen sie Medikamente mit fehlenden oder falsch dosierten Wirkstoffen.

Das Fazit: Es ist sicher, moderne PDE-5-Hemmer aus seriösen Quellen wie vorgeschrieben einzunehmen. Gefährlich kann es allerdings werden, wenn man sie mit anderen Medikamenten einnimmt oder ihre Wirkung unterschätzt.

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