Ski-Traumpaar: Stephanie Venier und Christian Walder

Zu Besuch.

5 Min.

© Simone Attisani

Die Gegend im Gemeindegebiet von Fresach, irgendwo zwischen dem Kärntner Gegendtal und dem Unteren Drautal, kommt dem geneigten Skifan bekannt vor. Dort, am Fuße des Mirnocks, schlängelt sich die Straße nach oben, als wäre sie schon immer fixer Bestandteil dieser lieblichen Landschaft gewesen. An einer Weggabelung müssen wir uns entscheiden. Links nach Mooswald, der Heimat von Ski-Ikone Franz Klammer – oder rechts in den Tragenwinkel. In selbigem haben der ehemalige Kärntner Abfahrer Christian Walder und seine Tiroler Frau Stephanie Venier ihren Lebensmittelpunkt. Wir biegen rechts ab. Und werden von der Jungfamilie Walder, Stephanie hat offiziell den Namen ihres frischvermählten Mannes angenommen, in einem Dreigenerationen-Haus empfangen. Eigentlich sind es sogar vier Generationen. Denn unter einem Dach leben nicht nur Christian Walders Großeltern, die Eltern Christian und Erika, sondern seit Dezember auch Sohn Max.

„Ein neues Leben!“

Erst im vergangenen Jahr haben die Skikarrieren von Stephanie Venier und Christian Walder geendet. Bei ihm hat „der Rücken nicht mehr mitgespielt. Es hätte keinen Sinn mehr gemacht“, wie er erklärt. Bei ihr war die Sachlage etwas diffiziler. Nach dem großen Karrierehöhepunkt, der Goldmedaille im Super-G bei den Heim-Weltmeisterschaften von Saalbach und vor den bevorstehenden Olympischen Spielen von Cortina, stellte sich Stephanie Venier die sportliche Sinnfrage. „Ich wollte immer am Höhepunkt aufhören, habe mir mit der Entscheidung lange Zeit gelassen, eine Plus-Minus-Liste erstellt. Ehrlicherweise hätte ich bei Olympia aber gewinnen müssen, um dieses Gefühl von Saalbach wieder herzuholen. Eine Heim-WM hat einen eigenen Stellenwert.“ Die Weltmeisterin serviert einen Espresso, Papa Christian spaziert mit dem kleinen Max durch die Penthouse-Wohnung, von der man einen atemberaubenden Blick aufs Goldeck oder den Dobratsch hat. „Und so“, spricht Stephanie Venier weiter, „ist das Skifahren als etwas sehr Positives in meinem Herzen drin. Ich bin froh, wie alles gekommen ist.“ Jetzt ist Max der Mittelpunkt ihres Lebens. Keine Skipisten oder Trainingsläufe, kein Leben aus dem Koffer. Die Geburt war keine einfache. Der kleinste Walder kam zu früh auf die Welt. „Ein Not-Kaiserschnitt unter Vollnarkose. Es war zach, ein schwieriger Start, aber jetzt ist alles gut“, erzählt die stolze Mama.

© Simone Attisani

An der frischen Luft.

Täglich ist die Jungfamilie draußen unterwegs. „Wir brauchen die frische Luft“, sagt Stephanie. Christian ist beruflich voll eingespannt. Der Polizeibeamte versieht seinen Dienst am Posten in Millstatt und ist zusätzlich als Sportlicher Leiter des Kärntner Landesskiverbandes tätig. „Vom zeitlichen Aufwand her ist es fast intensiver als zuvor. Aber der Druck, liefern zu müssen, ist weg. Das macht es bedeutend einfacher“, sagt Walder, dem die Jugendarbeit in Kärnten am Herzen liegt. Ob ein Trainerjob irgendwann auch für Österreichs Sportlerin des Jahres 2025 denkbar ist? „Nein“, schüttelt diese entschieden den Kopf, „da muss man die gleichen Dinge machen wie ein Mann, das geht auch körperlich an die Substanz.“ Stephanie Venier genießt die Mutterrolle, ist aber trotzdem auch beruflich nicht inaktiv, seit 2015 offiziell beim österreichischen Zoll tätig. „Ich arbeite außerdem mit den Sponsoren, die ich vorher hatte, schon noch zusammen, war auch schon als Keynote-Speakerin aktiv. Wenn da nur einer etwas davon mitnimmt, hat mein Vortrag den Sinn erfüllt.“

Die Wohnung der Walders ist modern und mit viel Holz eingerichtet, Pokale und Medaillen haben einen würdigen Platz in der offenen Wohn-Essküche. Sohn Max ist zufrieden. Das Flascherl, das ihm der Papa gibt, scheint zu munden.

Wir gehen auf den Balkon. „Von dort oben ist der Klammer Franz her“, erklärt uns Christian Walder mit Blick auf den Mirnock. „Und abends sieht man, ob im Spittaler Fußballstadion das Flutlicht an ist.“ Der Sport ist freilich nach wie vor großes Thema im Hause Walder-Venier. Aktuell in Form von Golf. Beide spielen in Millstatt, Stephanie mit dem beachtlichen Handicap von 25, Christian mit phänomenalen 3,2! „Ich bin oft mit dem Matthias Mayer (Anm.: dreifacher Olympiasieger) am Golfplatz“, sagt er. Früher habe er den „Mothl“ sogar in dessen Tennismannschaft in Afritz unterstützt, heute, einige Bandscheibenvorfälle später, lässt das der Rücken nicht mehr zu. Der Kontakt zu den einstigen Weggefährten ist nicht abgerissen. Adrian Pertl, Marco Schwarz, Otmar Striedinger, aber auch Ex-Größen wie Fritz Strobl und natürlich den Fast-Nachbarn Franz Klammer hört und trifft Christian Walder regelmäßig. Auch Skispringer Thomas Morgenstern ist ein enger Vertrauter. Bei Gattin Stephanie ist das ähnlich. Nadine Fest, Ramona Siebenhofer oder Tamara Tippler zählen nach wie vor zu ihrem Freundeskreis. Das Wichtigste aber ist beiden die Familie. „In dreieinhalb Stunden sind wir in Oberperfuss“, sagt Stephanie – und ihre Augen glänzen. Dort, im nur zehn Fahrminuten von Innsbruck entfernten Heimatort der 32-jährigen Tirolerin, haben die Walders eine eigene Wohnung. „Unser Sohn soll nie vergessen, wo er herkommt. Die Familie ist uns beiden das Wichtigste“, sagt die modebewusste Neo-Kärntnerin mit einem ausgeprägten Faible für Handtaschen. Wobei, das mit der Kärntnerin hört sie nicht so gerne: „Ich werde immer eine Tirolerin bleiben!“ „Macht nix“, grinst Christian, „Hauptsache, der Max ist ein waschechter Kärntner.“

Es gibt vieles, was wir an diesem Nachmittag noch besprechen. Als da wäre etwa die Causa Roland Assinger, mit der Stephanie Venier letzten Sommer die Schlagzeilen prägte. Sie kritisierte den Umgangston des Kärntner Erfolgstrainers. Wie sie heute darüber denkt? „Ich bin froh, den Mut gehabt zu haben, es anzusprechen. Man sollte seine Meinung äußern. Auch wenn das Gegenüber das anders sieht. Ich hoffe, dass bei ihm etwas hängen geblieben ist. Meine Kritik war sachlich und konstruktiv. Betreffen tut es mich ja eh nicht mehr.“ Stephanie Venier war nie eine 08/15-Athletin. Anfangs eckte sie mit ihren Essgewohnheiten bei so manchem Trainer an. „Ich esse von klein auf weder Obst noch Gemüse, Salat oder Fisch. Meine Mutter hat immer wieder versucht, es mir unterzumengen. Aber es ging und geht nicht. Was soll ich sagen? Meine Blutwerte passten immer, auch wenn ich mich nie wirklich ernährt habe wie eine Spitzensportlerin.“

Sohn Max schläft mittlerweile. Christian Walder wirkt entspannt. „Es hat sich wirklich viel verändert in unserem Leben“, meint er. „Und so, wie es ist, ist es einfach angenehm.“

© Simone Attisani

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